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ECHT ODER REPRODUKTION?
Der Guide für historische Sammlerstücke
WIE ERKENNE ICH EIN HISTORISCHES ORIGINAL?
Nicht jedes alte Stück ist automatisch ein Original.
Bei historischen Dokumenten, Postkarten, Militaria, Polizei- und Behördenmemorabilia, Münzen, Banknoten, Sportmemorabilia, Fotografien und anderen Sammlerstücken gibt es Nachdrucke, spätere Anfertigungen, Reproduktionen und Stücke, die absichtlich älter wirken sollen, als sie tatsächlich sind.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Nach mehr als 40 Jahren Beschäftigung mit historischen Sammlerstücken wissen wir vor allem eines:
Ein einzelnes Merkmal reicht selten aus. Entscheidend ist, ob Material, Verarbeitung, Alter, Herkunft und historischer Zusammenhang zusammenpassen.
1. MATERIAL UND VERARBEITUNG PRÜFEN
Beginnen Sie mit dem Material.
Papier, Karton, Metall, Stoff, Druckfarbe oder Fotopapier wurden zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich hergestellt und verarbeitet.
Fragen Sie sich:
Passt das Material grundsätzlich zum behaupteten Alter? Wirkt die Herstellung zeittypisch? Stimmen Verarbeitung, Maße und Aufbau?
Aber Vorsicht:
Alt aussehend bedeutet nicht automatisch alt.
Papier kann künstlich vergilbt, Metall nachträglich oxidiert und eine Oberfläche absichtlich beschädigt werden. Altersspuren sind deshalb immer nur ein Teil der Prüfung.
2. HISTORISCHE DOKUMENTE
Bei Briefen, Urkunden, Ausweisen, Bescheinigungen, militärischen Papieren und anderen historischen Dokumenten sollte immer das gesamte Stück betrachtet werden.
Prüfen Sie Papier, Drucktechnik, Schreibmaschine oder Handschrift, Stempel, Datierung, Formulare und verwendete Begriffe.
Und vor allem:
Lesen Sie das Dokument.
Eine Dienststelle, Amtsbezeichnung oder Formulierung, die zum angegebenen Zeitpunkt noch gar nicht existierte, kann entscheidender sein als vergilbtes Papier.
Auch Stempel, Eintragungen oder Unterschriften können nachträglich auf ein tatsächlich altes Dokument gesetzt worden sein.
Nicht nur anschauen – auch historisch einordnen.
3. POSTKARTEN
Schauen Sie bei historischen Postkarten nicht nur auf das Motiv.
Verlag, Drucktechnik, Papier, Rückseite, Briefmarke und Poststempel können wichtige Hinweise liefern.
Beliebte historische Motive wurden teilweise später erneut gedruckt. Deshalb sollte zwischen einem historischen Motiv und einer tatsächlich zeitgenössischen Karte unterschieden werden.
Ein Poststempel kann bei der zeitlichen Einordnung helfen, sollte aber ebenfalls im Zusammenhang mit der gesamten Karte betrachtet werden.
Vorder- und Rückseite gehören bei einer Postkarte immer zusammen.
4. MILITARIA UND ZEITGESCHICHTE
Gerade bei Militaria und zeitgeschichtlichen Objekten existieren zahlreiche Reproduktionen und spätere Anfertigungen.
Das betrifft beispielsweise Abzeichen, Orden, Ehrenzeichen, Dokumente, Stoffabzeichen, Ausrüstungsteile, Fotografien und andere Erinnerungsstücke.
Prüfen Sie Material, Maße, Verarbeitung, Herstellerkennzeichnungen, Prägungen, Befestigungen, Nähte und Gebrauchsspuren.
Ein Herstellerstempel oder eine Nummer beweist allein noch keine Echtheit. Auch Reproduktionen können entsprechende Kennzeichnungen und künstliche Altersspuren tragen.
Entscheidend ist, ob alle Merkmale gemeinsam ein plausibles Gesamtbild ergeben.
5. POLIZEI, FEUERWEHR, BEHÖRDEN UND ABZEICHEN
Auch bei Polizei-, Feuerwehr-, Behörden- und Einsatzkräfte-Memorabilia gibt es Originale, spätere Ausführungen, Sammleranfertigungen und Reproduktionen.
Bei Abzeichen, Patches, Emblemen und anderen Erinnerungsstücken können Material, Verarbeitung, Rückseite, Befestigung, Herstellerkennzeichnungen, Beschriftungen und Herkunft wichtige Hinweise liefern.
Gerade bei Patches gilt:
Ein Stück kann hochwertig und authentisch wirken, ohne tatsächlich dienstlich ausgegeben oder in der behaupteten Zeit verwendet worden zu sein.
Versuchen Sie deshalb zu klären, aus welchem Zeitraum das Stück stammt, wer es hergestellt hat und ob sich vergleichbare Originalstücke dokumentieren lassen.
Auch eine nachvollziehbare Herkunft direkt aus dem entsprechenden dienstlichen Umfeld kann ein wichtiger Hinweis sein.
6. MÜNZEN UND MEDAILLEN
Bei Münzen und Medaillen können bereits einige grundlegende Prüfungen wichtige Hinweise liefern.
Vergleichen Sie Gewicht, Durchmesser, Rand, Material, Prägung und Oberflächenstruktur mit bekannten Originalen.
Bei Fälschungen können Details zu weich erscheinen, Buchstaben oder Zahlen leicht abweichen oder Gewicht und Maße nicht stimmen.
Auch Patina ist kein Echtheitsbeweis. Oberflächen können künstlich gealtert oder behandelt werden.
Bei seltenen oder entsprechend wertvollen Münzen sollte im Zweifel eine geeignete Fachprüfung erfolgen.
7. BANKNOTEN UND HISTORISCHE ZAHLUNGSMITTEL
Bei historischen Banknoten sind Papier, Format, Druckqualität, Wasserzeichen und vorhandene Sicherheitsmerkmale besonders interessant.
Vergleichen Sie das Stück möglichst mit sicher bestimmten Exemplaren derselben Ausgabe.
Achten Sie nicht nur darauf, ob das Motiv stimmt.
Auch Papier, Maße, Druck und Herstellungsweise müssen zur jeweiligen Banknote und ihrer Zeit passen.
Dasselbe gilt grundsätzlich für andere historische Zahlungsmittel, Notgeld und vergleichbare Stücke.
8. SPORTMEMORABILIA
Tickets, Programme, Stadionhefte, Sammelbilder, Fotografien und andere Sportmemorabilia werden gerade bei berühmten Spielen und Turnieren häufig reproduziert.
Prüfen Sie Papier, Druck, Maße, Nummerierungen, Rückseite und weitere Merkmale.
Ein Ticket mit dem richtigen Motiv und Datum ist nicht automatisch ein Originalticket, das tatsächlich für die damalige Veranstaltung hergestellt wurde.
Gerade bei berühmten Ereignissen wie Weltmeisterschaften, Endspielen oder historischen Begegnungen können spätere Nachdrucke existieren.
Umgekehrt gilt:
Ein außergewöhnlich gut erhaltenes Stück ist nicht automatisch verdächtig.
Je bedeutender und wertvoller ein Objekt ist, desto genauer sollte die Prüfung sein.
9. HISTORISCHE FOTOGRAFIEN
Ein historisches Motiv ist nicht automatisch ein historischer Fotoabzug.
Ein Foto kann beispielsweise eine Szene aus den 1950er-Jahren zeigen und trotzdem Jahrzehnte später hergestellt worden sein.
Fotopapier, Rückseitenstempel, Herstellerangaben, Format, Oberfläche, Beschriftungen und andere Merkmale können bei der zeitlichen Einordnung helfen.
Deshalb sollte immer unterschieden werden zwischen dem Alter des abgebildeten Motivs und dem Alter des tatsächlich vorliegenden Fotos.
10. PLAKATE, PROGRAMME UND DRUCKSACHEN
Historische Plakate, Programme, Broschüren, Eintrittskarten und andere Drucksachen wurden teilweise später nachgedruckt oder reproduziert.
Achten Sie auf Papier, Format, Druckverfahren, Farben, Rückseite, Beschnitt und vorhandene Hersteller- oder Verlagsangaben.
Gerade bei berühmten historischen Motiven kann ein Nachdruck optisch nahezu identisch erscheinen.
Deshalb gilt auch hier:
Nicht nur das Motiv muss stimmen – auch das Material und die Herstellung.
11. ORDEN, EHRENZEICHEN UND ABZEICHEN
Bei Orden, Medaillen, Ehrenzeichen und historischen Abzeichen können kleinste Details eine Rolle spielen.
Material, Gewicht, Maße, Prägung, Schriftbild, Befestigungssysteme, Nadeln, Ösen, Herstellerkennzeichnungen und Verarbeitung sollten mit bekannten Originalen verglichen werden.
Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn ein Stück allein aufgrund eines vorhandenen Herstellerzeichens als Original angeboten wird.
Ein Stempel macht noch kein Original.
Das gesamte Stück muss stimmen.
12. VEREINS-, FIRMEN- UND WERBEMEMORABILIA
Auch alte Vereinsabzeichen, Firmenzeichen, Werbeschilder, Werbeartikel, Jubiläumsstücke und ähnliche Erinnerungsstücke können sammelwürdig sein.
Bei der Einordnung helfen Herstellerangaben, verwendete Logos, Firmenbezeichnungen, Materialien und die Gestaltung.
Gerade Logos und Firmennamen können sich über Jahrzehnte verändert haben und dadurch Hinweise auf den Herstellungszeitraum liefern.
Alte Kataloge, Anzeigen oder andere zeitgenössische Unterlagen können beim Vergleich besonders hilfreich sein.
13. KULTUR- UND ENTERTAINMENT-MEMORABILIA
Filmprogramme, Konzertprogramme, Eintrittskarten, alte Werbematerialien, Fanartikel und Erinnerungsstücke aus Film, Musik und Kultur können ebenfalls reproduziert oder später neu aufgelegt worden sein.
Prüfen Sie deshalb Erscheinungsjahr, Veranstaltungsort, Hersteller, Drucktechnik, Material und vorhandene Datierungen.
Bei bekannten Künstlern, Filmen oder Veranstaltungen existieren häufig moderne Reproduktionen historischer Motive.
Auch hier gilt:
Ein altes Motiv ist nicht automatisch ein altes Objekt.
14. HERKUNFT UND PROVENIENZ
Fragen Sie nach der Geschichte des Stückes.
Woher stammt es? Wie lange befindet es sich in der Sammlung? Gibt es alte Umschläge, Rechnungen, Sammlungsnotizen, Beschriftungen, Fotografien oder andere Begleitunterlagen?
Eine nachvollziehbare Provenienz kann die Einschätzung erheblich unterstützen.
Besonders interessant können zusammengehörige Bestände sein, bei denen sich die Geschichte der Stücke über alte Unterlagen oder einen Vorbesitzer nachvollziehen lässt.
Aber:
Eine gute Geschichte allein beweist noch keine Echtheit.
Objekt und Herkunft müssen zusammenpassen.
15. VORDER- UND RÜCKSEITE PRÜFEN
Ein überraschend einfacher Grundsatz:
Drehen Sie das Stück um.
Rückseiten werden bei Angeboten erstaunlich häufig vernachlässigt.
Dabei können sich gerade dort Herstellerkennzeichnungen, Stempel, alte Beschriftungen, Inventarnummern, Verlagsangaben, Klebespuren oder andere Hinweise befinden.
Bei vielen Sammlerstücken kann die Rückseite für die Einordnung mindestens genauso interessant sein wie die Vorderseite.
16. ALTERSSPUREN NICHT ÜBERBEWERTEN
Falten, Flecken, Abrieb, Verfärbungen, Patina oder kleinere Beschädigungen können bei historischen Originalen völlig normal sein.
Sie beweisen aber nicht, dass ein Stück tatsächlich alt ist.
Papier lässt sich verfärben. Metall lässt sich oxidieren. Kanten lassen sich bearbeiten. Oberflächen können künstlich gealtert werden.
Fragen Sie deshalb nicht nur:
„Sieht das Stück alt aus?“
Sondern:
„Sind seine Altersspuren für Material, Herstellung und Geschichte plausibel?“
17. MIT ORIGINALEN VERGLEICHEN
Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Ihr Bauchgefühl.
Vergleichen Sie Material, Maße, Druck, Prägung, Kennzeichnungen und Verarbeitung mit möglichst sicher bestimmten Originalen.
Nutzen Sie nach Möglichkeit mehrere Vergleichsstücke und nicht nur ein einzelnes Foto aus dem Internet.
Achten Sie außerdem darauf, tatsächlich dieselbe Ausführung und denselben Zeitraum miteinander zu vergleichen.
Je seltener oder wertvoller ein Objekt ist, desto wichtiger wird eine gründliche Recherche.
18. REPRODUKTION BEDEUTET NICHT WERTLOS
Eine Reproduktion, ein späterer Nachdruck oder ein Faksimile kann durchaus sammelwürdig sein.
Entscheidend ist, dass es korrekt bezeichnet wird.
Auch eine spätere Ausgabe kann historisch oder sammlerisch interessant sein.
Problematisch wird es erst dann, wenn eine Reproduktion als zeitgenössisches historisches Original angeboten wird.
Nicht die spektakulärste Beschreibung zählt.
Sondern die richtige.
DIE 5-FRAGEN-SCHNELLPRÜFUNG
Sie haben ein altes Stück vor sich und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen?
Dann stellen Sie sich zunächst diese fünf Fragen:
• Passt das MATERIAL zur behaupteten Zeit?
• Passt die VERARBEITUNG zur Epoche?
• Stimmen ALTER und HISTORISCHER ZUSAMMENHANG?
• Ist die HERKUNFT nachvollziehbar?
• Passen die Merkmale zu bekannten ORIGINALEN?
Bleiben bei mehreren Punkten Fragezeichen, lohnt es sich, genauer zu recherchieren.
WENN ZWEIFEL BLEIBEN
Nicht jedes historische Sammlerstück lässt sich anhand einiger Fotos zweifelsfrei bestimmen.
Recherchieren Sie weiter, verlangen Sie zusätzliche Bilder, vergleichen Sie mit bekannten Originalen und holen Sie bei entsprechend wertvollen oder schwierigen Stücken gegebenenfalls eine geeignete unabhängige Fachmeinung ein.
Manchmal ist die beste Kaufentscheidung:
Noch nicht kaufen.
ETWAS GEFUNDEN UND KEINE AHNUNG, WAS ES IST?
Nicht jeder besitzt Fachbücher, Vergleichssammlungen oder jahrzehntelange Erfahrung.
Vielleicht haben Sie einfach einen alten Karton auf dem Dachboden gefunden, eine Sammlung geerbt oder beim Aufräumen ein ungewöhnliches Stück entdeckt.
Dann müssen Sie nicht zuerst selbst herausfinden, was es ist.
Zeigen Sie es uns.
Memorabilia Depot interessiert sich für historische Originale und außergewöhnliche Sammlerstücke aus vielen unterschiedlichen Bereichen.
Auch wenn Sie überhaupt nicht wissen, ob Ihr Fund selten, wertvoll oder für uns interessant ist:
Ein paar gute Fotos reichen für einen ersten Blick.
UNSER GRUNDSATZ
Ein gutes historisches Sammlerstück überzeugt nicht dadurch, dass es möglichst alt aussieht.
Es überzeugt dadurch, dass Material, Verarbeitung, Alter, Herkunft und historischer Zusammenhang ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
MEMORABILIA DEPOT
PRÜFEN. VERGLEICHEN. EINORDNEN.
GESCHICHTE VERDIENT VERTRAUEN.

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